Geschlechterneutralität

Geschlechterneutralität

Was für ein Wort, was für ein Bemühen.

Wofür?

Na klar: dafür, dass niemand benachteiligt wird. Das finde ich gut.

Wenn dabei nur die Sprache nicht so fürchterlich misshandelt würde, denn das finde ich schlecht.

Also diese ganzen Formen mit Schrägstrichen, Großschreibung im Wort, Sternchen und so, die nicht nur die Rechtschreibung aushebeln, was mir an sich nicht so wichtig wäre, sondern die Sprache verhässlichen. Es sei denn man überliest GenossInnen, Mitarbeiter/innen, Lehrer_innen und Richter*innen, weil man sich dran gewöhnt hat und aus dem Zusammenhang doch eh weiß, wer gemeint ist.

Richtig Schwung aus der Sprache nimmt es, wenn Reden gehalten werden. Ich fand den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder fast bemitleidenswert, wenn er markige Parteitagsansprachen mit „liebe Genossinnen und Genossen“ beginnen musste. Da war gleich jeder Schwung weg. Zudem nahm ich es ihm, diesem ziemlich eitlen Mann alter Schule, eh nicht ab. Es klang eher wie ein Knicks vor den emanzipierten Frauen seiner Partei. Hätte er sich als Solidaritätsbekundung ebenso glaubhaft einen Rock anziehen können.

Die ganze Diskussion läuft jetzt seit den 80er Jahren, also seit einer ganzen Generation. Nur: Noch immer sind wir nicht zu einem befriedigenden Ergebnis gekommen. Weder für die Frauen, noch für die Sprache. Ich habe jedenfalls noch keinen Beitrag auf Wikipedia gelesen, der so kompliziert und uneindeutig war wie der über „Geschlechterneutralität“. Vielleicht gibt es gar keine einfache, einvernehmliche, verständliche, leicht schreibbare und sprachlich elegante Lösung. Und das ist doch auch ein Ergebnis. Oder wie lange wollen wir mit diesem Thema noch rumhantieren, dabei Unsicherheiten erzeugen und Fundamentalist/-_*Innen die Möglichkeit geben, jeden an den Pranger zu stellen, der unkorrekt formuliert?

Denn auf der anderen Seite ist doch folgendes auch nicht von der Hand zu weisen:

Zwar gibt es Artikel, die eindeutig eine geschlechtliche Beschreibung meinen, wie der Mann, die Frau. Auch haben wir im Gegensatz zu den Franzosen die Möglichkeit, geschlechtsunspezifische Begriffe neutral zu bezeichnen, wie das Kind, Auto, Pferd. Andere Beispiele zeigen jedoch, dass die Artikel durchaus gar keine Geschlechtlichkeit meinen, wie der Baum, die Blume, der Löwe. Müssten wir da nicht auch ein solidarisches Wort für die Bäumin, den Blume, die Löwin einlegen? Auf der anderen Seite hat doch auch keiner was dagegen, wenn wir Sonne und Erde weiblich bezeichnen. Ist doch schön, hat was Wärmendes, Heimat gebendes, im Gegensatz zu dem Mond, der nur als kalte, unwirtliche Kugel durch die Gegend fliegt.

Hätten wir eine handhabbare Lösung, wäre ich sehr dafür, männliche Dominanzen aus der Sprache zu tilgen. Haben wir aber nicht. Weswegen ich vorschlage, bei „der“ nicht zuerst an „den Mann“ zu denken, sondern an „den Menschen“. Und das sind wir nun mal alle. In diesem Sinn bitte ich Sie jedenfalls meine Texte zu lesen.

Denn:
Für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit,
Sanktionen gegen Machtmissbrauch und sexistisches Verhalten,
Unterstützung von Alleinerziehenden,
bin ich auch.

Allerdings für Männer, ebenso wie für Frauen. Denn dass Männer, auch unter den Mächtigen leiden – egal, ob diese Männer oder Frauen sind – ist eine der ungesehenen Wahrheiten.